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Hier können Sie die Andacht aus dem aktuellen Gemeindebrief lesen:

"... und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." - Andacht März 2016

„Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.
Denn es wird kein Volk gegen das andere das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Jesaja 2,4

Was sollen unsere Kinder lernen?

Eine wichtige Frage ist das - durch alle Altersstufen von Bedeutung. Ist es blauäugig, davon zu träumen, dass Menschen lernen, friedlich miteinander umzugehen? Ich sehe Kinder im Vorschulalter, die mit ihren Spielzeugwaffen aufeinander losgehen. Und wo heute Lichtschwerter und Darth-Vader-Figuren in Anlehnung an die Star-Wars-Episoden aktuell sind, waren früher Holzschwerter und Ritterverkleidung bei den kleinen „Kämpfern“ beliebt. So war das schon immer, sagen die einen, es ist ja auch nur ein Spiel. So muss das sein, denken andere, schließlich müssen die Aggressionen ja raus und überhaupt: Ich möchte, dass mein Kind sich wehrt und dass es bei Konflikten und Auseinandersetzungen nicht immer klein beigibt. Kämpfe gehören zum Leben. Wer sich nicht wehrt, der hat schon verloren. Das gilt im Kleinen wie im Großen.

Ob im Spiel oder in der Realität: Kampf und Krieg behaupten ihren selbstverständlichen Platz. Kann man es da überhaupt wagen, nicht mehr zu lehren, Krieg zu führen? Ist es vielleicht sogar fahrlässig, den „Krieg“ vom nationalen gesellschaftlichen Curriculum zu streichen? In der jüngeren Geschichte war es über mehrere Jahrzehnte hinweg unvorstellbar, dass deutsche Soldaten an Kriegen beteiligt sein würden. Seit über 70 Jahren Frieden in unserem Land ist ein unglaubliches Geschenk, das es zu bewahren gilt. Das zarte Pflänzchen Frieden ist gewachsen. Doch eine bedrohte Pflanze ist er, der Frieden. Wir sind in Sorge um den Frieden - da sind die Konflikte im Inneren unserer Gesellschaft, da sind die Bedrohungen von außen. Eine wehrhafte Armee ist da unerlässlich. Und es beruhigt, wenn unsere Polizeikräfte gut aufgestellt sind und unseren Rechtsstaat verteidigen.

Doch daneben habe ich meine ganz persönliche Verantwortung für den Frieden. Die kann ich nicht abgeben oder delegieren. Ich bin herausgefordert, das mir Mögliche zu tun. Auf der Grundlage unserer Glaubenstradition heißt das schlicht und konkret „Frieden stiften“, den Frieden pflanzen und dann die zarte Pflanze hegen und pflegen. Frieden fängt von unten an, sagt ein bekannter Slogan aus der Friedensbewegung.

Die alten Worte des Propheten Jesaja sind eine Vision. Dieser Traum vom Frieden entspricht nicht unserer gegenwärtigen Wirklichkeit. Wir können nicht blauäugig die Gedankenwelt, Vorstellungen, Träume dieser Vision in unseren Alltag übertragen. Und dennoch hat diese Vision eine große Bedeutung für uns. Sie stellt uns das Ziel vor Augen, das unser Denken und Handeln als Christen bestimmt: Gottes Welt des Friedens und der Liebe, die durch Jesus Christus Gestalt gewonnen hat und von der schon die prophetischen Worte des jüdischen Glaubens zeugen. Jesajas Vision kann dabei helfen, unser Denken und Handeln kritisch zu hinterfragen: Dient es den Kriegstreibern und Gewaltbefürwortern - oder dient es der Verwirklichung des Friedens?

In diesem Sinne: Schalom und Salaam, Peace und Pax Vobiscum, Friede sei mit Euch,

Ihr Pfarrer Andreas Menzel

Tauflied im Evangelischen Gesangbuch
von Friedrich Karl Barth

 

Kind, du bist uns anvertraut.

Wozu werden wir dich bringen?

Wenn du deine Wege gehst,

wessen Lieder wirst du singen?

Welche Worte wirst du sagen

und an welches Ziel dich wagen?

 

Kampf und Krieg zerreißt die Welt, einer drückt den andern nieder.

Dabei zählen Macht und Geld,

Klugheit und gesunde Glieder.

Mut und Freiheit, das sind Gaben,

die wir bitter nötig haben.

 

Freunde wollen wir dir sein,

sollst des Friedens Brücken bauen.

Denke nicht, du stehst allein;

kannst der Macht der Liebe trauen.

Taufen dich in Jesu Namen. Er ist unsre Hoffnung. Amen.